Jesse Templeton

Benötigen Sie Marketing-Hilfe? Kontaktieren Sie Brafton hier.

Ein Fachexperte ist … nun, wahrscheinlich genau das, was Sie denken: jemand mit Fachwissen zu einem bestimmten Thema. Manchmal werden sie auch als SME (engl.: Subject Matter Expert) bezeichnet. Redakteure interviewen Fachexperten aus verschiedenen Gründen, aber im Kern geht es immer darum, mehr über das Wissen und die Erkenntnisse des Fachexperten zu erfahren und diese in leserfreundliche Inhalte umzusetzen. 

Ihre Gesprächspartner sind Experten auf ihrem Gebiet, aber selten erfahrene Autoren. Durch Interviews mit SMEs können Redakteure Fachwissen auf ansprechende und klare Weise an die Zielgruppe vermitteln. Schließlich sind Redakteure Experten im Schreiben, aber vielleicht keine Experten im Führen von Interviews. Aber das ist in Ordnung – schauen wir uns an, wie man einen Fachexperten für einen Artikel interviewt.

Wozu dienen Interviews mit Fachexperten?

Ein SME-Interview kann entscheidend für die Erstellung einer Vielzahl von Inhalten sein. Autoren führen SME-Gespräche häufig zur Vorbereitung auf:

  • Thought-Leadership-Beiträge: Dabei handelt es sich um Blogs oder andere Inhalte, die Fachwissen und Einblicke zu einem bestimmten Thema vermitteln, die Leser informieren und den Fachexperten als Autorität in seinem Bereich etablieren.
  • Ghostwriting-Inhalte: Wenn man im Namen des Fachexperten schreibt, ist es unerlässlich, dessen Wissen korrekt wiederzugeben.
  • Case Studies: Oft ist es notwendig, einen Kunden und/oder jemanden aus einer anderen Organisation zu interviewen, um mehr über die Partnerschaft zu erfahren, die Sie vorstellen möchten.
  • Whitepaper und E-Books: Dabei handelt es sich oft um Thought-Leadership-Beiträge oder Marketingmaterialien zu einer oder mehreren Dienstleistungen, die Ihr Unternehmen anbietet, weshalb tiefgreifendes Fachwissen erforderlich sein kann.

Es gibt auch Situationen, in denen ein Experten-Gespräch mitten in einem Projekt notwendig werden kann. Manchmal gibt es Bedenken zur Qualität, meist zu Beginn einer Partnerschaft oder wenn ein neuer Autor hinzukommt. Der Autor hat möglicherweise einen wesentlichen Aspekt der Angebote, die er präsentieren soll, oder der Branche, in der er tätig ist, missverstanden. Ein Interview mit einem SME kann Missverständnisse ausräumen und dem Autor helfen, die Fehler zu korrigieren.

Vorbereitung auf Expertengespräche

„Wer sich nicht vorbereitet, bereitet sich auf sein Scheitern vor“ – ein Zitat, das fälschlicherweise Benjamin Franklin zugeschrieben wird. Doch wer auch immer der Urheber war – er hat recht. Ganz gleich, wie begabt Sie in der Kunst der Improvisation sind: Experteninterviews erfordern einen gezielten Vorbereitungsprozess. So können Sie sich vorbereiten:

Schreiben Sie die Fragen einige Tage im Voraus auf

Am besten ist es, dem Fachexperten die Möglichkeit zu geben, die Fragen vor dem Interviewgespräch durchzulesen. Das ist nicht immer möglich – Sie haben keinen Einfluss auf den Zeitplan des Interviewpartners –, aber dadurch hat er die Chance, die Fragen zu prüfen und sicherzustellen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. 

Wenn Sie sich mit einem neuen Thema befassen, lesen Sie die vorhandenen Fallstudien oder Thought-Leadership-Beiträge durch, um ein Gefühl für den Inhalt und dessen Struktur zu bekommen. Es kann auch hilfreich sein, sich über die Branche zu informieren, in der das Unternehmen tätig ist, damit Sie über grundlegendes Wissen verfügen. Während Sie diese Recherche durchführen, können Sie Fragen notieren, sobald sie Ihnen in den Sinn kommen.

Formulieren Sie Fragen im Kontext des Textes

Die Anzahl der Fragen, die Sie für eine 500-Wort-Fallstudie benötigen, unterscheidet sich von der für ein 2.000-Wort-Whitepaper. Berücksichtigen Sie die Länge des Artikels und des Gesprächs und entwerfen Sie eine angemessene Anzahl von Fragen. Versuchen Sie einzuschätzen, wie ausführlich die Antwort sein könnte, und halten Sie einige zusätzliche Fragen bereit, falls Ihre ersten Fragen nicht so viele Informationen liefern, wie Sie erwartet hatten.

Achten Sie auf den richtigen Ton

Gespräche mit Fachexperten sind zwar keine formellen Anlässe, aber dennoch professionelle Gespräche. Schauen wir uns zwei Beispielfragen für ein Interview mit dem Kunden eines Kunden für eine Fallstudie an und prüfen wir, welche davon angemessener ist:

  1. Könnten Sie bitte einen Überblick über die Geschäftstätigkeiten von Compu-Global Systems geben?
  2. Also, was macht Ihr Unternehmen eigentlich?

Der Unterschied mag subtil sein, aber Frage eins zeugt von besserer Etikette. Im Zweifelsfall verwenden Sie denselben Ton, den Sie auch beim Verfassen des endgültigen Textes verwenden würden.

Das Gespräch mit dem Fachexperten

Schauen wir uns einige Tipps an, die Ihnen helfen, das Interview selbst erfolgreich zu meistern:

Vor dem Gespräch

Als Interviewer sitzen Sie sozusagen am Steuer. Es ist entscheidend, so viele potenzielle Ablenkungen wie möglich zu beseitigen. Das erreichen Sie, indem Sie:

  • Ihr Handy auf „Nicht stören“ oder „Arbeitsmodus“ stellen,
  • sich einen ruhigen Raum suchen und die Tür schließen,
  • die Fragen noch einmal durchlesen, um zu vermeiden, dass Sie über Formulierungen stolpern,
  • sich angemessen kleiden,
  • sicherstellen, dass sich im Hintergrund nichts Ablenkendes oder Unprofessionelles befindet,
  • Sie ein zuverlässiges Mikrofon und Kopfhörer verwenden (Manchmal sind der Laptop und die Umgebung eines Autors so gut geeignet, dass Mikrofon und Kopfhörer nicht notwendig sind, aber sie können hilfreich sein.),
  • ein weiteres Fenster mit einem Google Doc – oder auch Stift und Notizblock – offen haben, damit Sie sich während des Interviews Notizen machen können. Nicht alle Autoren können sich während des Interviews ausführliche Notizen machen, aber es ist gut, diese Möglichkeit zu haben, damit man bei Bedarf schnell etwas notieren kann.

Es ist auch wichtig, sicherzustellen, dass das Gespräch aufgezeichnet wird, sofern der Interviewpartner damit einverstanden ist. Eine automatische Transkription kann sich ebenfalls als nützlich erweisen, wenn Sie die Antworten durchgehen.

Das Gespräch leiten

Bevor Sie mit den Interviewfragen beginnen, kann es hilfreich sein, dem Interviewpartner die Nervosität zu nehmen. Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, interviewt zu werden. Sie können ihm versichern, dass Sie direkte Zitate, die Sie verwenden, überarbeiten werden, sodass er sich keine Sorgen machen muss, zu oft „ähm“ oder „äh“ zu sagen. 

Es kann auch hilfreich sein, zunächst eine allgemeine, leicht zu beantwortende Frage zu stellen, damit sich der Interviewpartner daran gewöhnt, über das Thema nachzudenken und zu sprechen. Versuchen Sie, die Fragen in einer logischen Reihenfolge zu ordnen, beispielsweise chronologisch oder thematisch, damit die Antworten des Interviewpartners organisch ineinanderfließen können. 

Denken Sie daran, dass der Experte möglicherweise einen Teil oder die gesamte Antwort auf eine spätere Frage bereits vorwegnimmt. In solchen Fällen können Sie diese Frage überspringen, wenn Sie dazu kommen, oder dem Interviewpartner mitteilen, dass er bereits eine Antwort gegeben hat, diese aber gerne weiter ausführen kann, wenn er möchte. Dieser Ansatz kann dazu beitragen, ein eher gesprächsorientiertes und angenehmes Interview zu gestalten. Und scheuen Sie sich nicht, Folgefragen zu stellen. Sofern die Zeit nicht wirklich knapp ist, ist es gut, Ideen weiterzuverfolgen, an die Sie vorher nicht gedacht hatten, die aber während des Interviews aufkommen.

Zu guter Letzt: Scheuen Sie sich nicht vor Pausen. Manchmal versuchen wir im Gespräch hastig, Lücken zu füllen, aus Angst, die Stille könnte unangenehm sein. Ein wenig Unbeholfenheit ist in Ordnung; es wäre schlimmer, den inneren Denkprozess eines Befragten zu unterbrechen, während er über seine Antwort nachdenkt. 

Umgang mit Nervosität

Für manche kontaktfreudige Menschen sind Experteninterviews ein Kinderspiel. Für andere kann es eine nervenaufreibende Erfahrung sein, besonders wenn sie es nicht gewohnt sind, Interviews zu führen. Wenn Sie zur letzteren Kategorie gehören, sollten Sie sich vor allem bewusst machen, dass wirklich nicht so viel auf dem Spiel steht. Ja, ein Experteninterview kann zu einem wertvollen und wichtigen Ergebnis führen, aber ein Versprecher oder das Wiederholen einer Frage während des Interviews hat keinen Einfluss auf den endgültigen Entwurf. Atmen Sie also tief durch – Sie werden das schon schaffen.

Wenn die Antworten des Fachexperten kurz sind und wenig informativ wirken, denken Sie daran, dass Sie Folgefragen stellen können. Hier kann es nützlich sein, sich im Voraus Ersatzfragen zurechtgelegt zu haben. Und wenn Sie das gegenteilige Problem haben und die Antworten des Kunden zu lang für die vorgesehene Zeit sind, können Sie immer fragen, ob die Gesprächszeit verlängert werden kann. Wenn nicht, können Sie in Rücksprache mit Ihrem Interviewpartner einen weiteren Termin vereinbaren oder die verbleibenden Fragen per E-Mail vom Fachexperten beantworten lassen.

Und was ist, wenn der Fachexperte Ihre Fragen für schlecht hält oder glaubt, dass sie Ihre Unkenntnis der Branche offenbaren? Nun, genau deshalb schicken Sie ihm die Fragen im Voraus. Wenn der Befragte sie nicht vorher durchgesehen hat (oder es getan hat und nichts gesagt hat), ist das seine Schuld.

Ganz ehrlich, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er Ihnen mangelnde Branchenkenntnisse vorwirft. Schließlich ist er der Experte; Sie interviewen ihn aus gutem Grund. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Fachexperte die Fragen für fehlgeleitet hält, dann bitten Sie ihn, fehlende Informationen hinzuzufügen.

Nach dem Interview

Gehen Sie Ihre Notizen durch und ziehen Sie die Gesprächsaufzeichnung zu Rate, wenn Sie Zitate herausgreifen, um sicherzustellen, dass diese korrekt sind. Falls Sie keine automatische Transkription haben, können Sie die Gesprächsaufzeichnung in ein KI-Tool wie Google Gemini einspeisen, um eine Transkription zu erhalten. Diese wird zwar nicht perfekt sein, erleichtert es Ihnen jedoch, das Interview zu überfliegen und die benötigten Informationen zu finden.

Es ist sinnvoll, das Gespräch kurz nach dem Interview noch einmal durchzugehen, damit Sie bei Bedarf Folgefragen stellen können. Wenn es für Ihr Projekt eine Entwurfsphase gibt, können Sie Notizen oder Kommentare für den Kunden hinterlassen, um Unklarheiten zu beseitigen. 

Danach sind Sie bereit, mit dem Schreiben zu beginnen. Jetzt sind Sie der Experte.